Aktuelle Informationen
Digital gut vernetzt? Einblick in digitale Anwendungen!
Der „Digitale Erfahrungsaustausch“ der Landesinitiative am 7. Oktober hat Möglichkeiten und Herausforderungen digitaler Lösungen für Nachbarschaftsinitiativen aufgezeigt.
Nachbarschaftshilfen und -initiativen leisten einen wichtigen Beitrag für ein gutes Zusammenleben vor Ort. Sie unterstützen Menschen im Alltag, fördern soziale Kontakte und ermöglichen insbesondere älteren Menschen möglichst lange selbstständig und in ihrem vertrauten Umfeld zu leben. Gleichzeitig stehen viele Initiativen vor Herausforderungen: Es fehlt an Nachwuchs für ehrenamtliche Aufgaben, Engagierte übernehmen vielfältige organisatorische Tätigkeiten und die Anforderungen an die Verwaltung und Vermittlung von Hilfsangeboten wachsen. Digitale Lösungen können hier unterstützen. Doch welche Angebote gibt es und welche passen zu den tatsächlichen Bedürfnissen der Initiativen?
Diesen Fragen widmete sich der digitale Erfahrungsaustausch der Landesinitiative Neue Nachbarschaften am 7. Oktober 2026. Unter dem Titel „Digitale Lösungen für Nachbarschaftsinitiativen – Was gibt es – und was brauchen wir wirklich?“ erhielten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene digitale Anwendungen und tauschten sich darüber aus, wie diese die Arbeit vor Ort erleichtern können.
„HERZ|ZEIT“ und „Hub for Help“ – mit digitaler Unterstützung Nachbarschaftshilfe organisieren und vermitteln
Traugott Arens vom Landesverband Nachbarschaftshilfen in Hessen stellte zunächst das Projekt zur Digitalisierung, Vernetzung und Professionalisierung von Nachbarschaftshilfen vor. Ziel ist es, lokale Unterstützungsstrukturen zu stärken und die Organisation von Nachbarschaftshilfe weiterzuentwickeln. Dabei geht es auch um die Frage, wie ältere Menschen durch passende Unterstützungsangebote möglichst lange zu Hause leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Anhand der Anwendungen „HERZ|ZEIT“ und „Hub for Help“ zeigte Traugott Arens, wie digitale Werkzeuge unterschiedliche Aufgaben in der Nachbarschaftshilfe übernehmen können.
HERZ|ZEIT unterstützt Nachbarschaftshilfen bei organisatorischen und administrativen Tätigkeiten. Die Software ermöglicht unter anderem die Verwaltung von Mitgliedern und Kontakten, die Planung von Einsätzen, die mobile Erfassung geleisteter Stunden und die automatisierte Abrechnung von Unterstützungsleistungen. Dadurch können Informationen gebündelt und wiederkehrende Arbeitsschritte vereinfacht werden. Auch unterschiedliche Zugriffsrechte für die Nutzerinnen und Nutzer sind vorgesehen.
Hub for Help setzt dagegen bei der Vermittlung von Unterstützung an. Über die App können Hilfegesuche mit registrierten Helferinnen und Helfern zusammengebracht werden. Sie soll dazu beitragen, Menschen, die Hilfe benötigen, und Menschen, die sich engagieren möchten, leichter miteinander zu verbinden. Im Unterschied zu HERZ|ZEIT steht hier die Vermittlung im Vordergrund, nicht die Verwaltung und Abrechnung von Leistungen.
Die beiden Beispiele verdeutlichten, dass digitale Lösungen unterschiedliche Aufgabenbereiche abdecken können. Welche Anwendung sinnvoll ist, hängt davon ab, ob eine Initiative vor allem Unterstützung bei der Verwaltung und Einsatzplanung benötigt oder ob die Vermittlung von Hilfsangeboten im Mittelpunkt steht.
„NBH Profi“: Verwaltungsaufgaben bündeln und vereinfachen
Im zweiten Impuls stellte Dirk Bredemeyer von Global Plus die Software NBH Profi vor. Sie wurde ursprünglich für die Caritas in Ravensburg entwickelt und wird inzwischen von zahlreichen Nachbarschaftshilfeorganisationen genutzt.
Mit NBH Profi lassen sich Helferinnen und Helfer sowie unterstützte Personen verwalten, geleistete Stunden dokumentieren und Abrechnungen vorbereiten. Über ein webbasiertes System können die erforderlichen Informationen zentral bearbeitet werden. Ein mobiles Helferportal ermöglicht es zudem, Daten auch unterwegs zu erfassen. Für die Sicherheit und den Schutz der Daten sorgen nach Angaben des Referenten unter anderem verschlüsselte Verbindungen, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, verschiedene Benutzerrechte und die Speicherung auf deutschen Servern.
Die Vorstellung machte deutlich, wie eine spezialisierte Software verschiedene Verwaltungsschritte zusammenführen und dadurch den Arbeitsalltag erleichtern kann. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass vor der Einführung geklärt werden sollte, welche Funktionen tatsächlich benötigt werden und welcher Aufwand für Einrichtung, Schulung und laufende Nutzung entsteht. Bredemeyer bot interessierten Initiativen an, die Software in einer persönlichen Online-Demonstration näher vorzustellen.
Welche digitale Lösung passt zu welcher Initiative?
Anschließend wurde gemeinsam darüber diskutiert, welche Anforderungen Nachbarschaftsinitiativen an digitale Angebote haben und welche Erfahrungen sie bereits mit digitalen Werkzeugen gesammelt haben. Dabei zeigte sich, dass die Initiativen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen arbeiten. Während einige bereits spezielle Software einsetzen, nutzen andere vor allem einfache Anwendungen wie E-Mail oder Messenger. Manche stehen noch ganz am Anfang ihrer Überlegungen zur Digitalisierung.
Entsprechend unterschiedlich äußerten die Teilnehmenden auch ihre Wünsche und Bedarfe für die Nutzung digitaler Anwendungen: eine bessere Einsatzplanung, eine einfachere Dokumentation von Unterstützungsstunden, weniger Verwaltungsaufwand oder eine unkomplizierte Vermittlung zwischen Hilfesuchenden und Helfenden wurden etwa genannt.
Ein zentrales Thema war deshalb die Frage, wann sich die Einführung einer speziellen Software lohnt. Demnach empfiehlt es sich gerade für kleinere, ehrenamtlich getragene Initiativen abzuwägen, ob die angebotenen Funktionen ihren tatsächlichen Bedarf treffen und ob die Einführung mit den vorhandenen zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen zu bewältigen ist. Neben den laufenden Kosten spielen dabei auch die Einarbeitung und die Bereitschaft der Beteiligten, neue digitale Wege zu nutzen, eine wichtige Rolle.
Fazit
Die vorgestellten Angebote zeigten: Digitale Lösungen können organisatorische Aufgaben erleichtern und Engagierte entlasten. Sie sind jedoch kein Selbstzweck. Entscheidend ist, dass sie zur Größe, Arbeitsweise und Zielsetzung der jeweiligen Initiative passen. Es lohnt sich daher, zunächst die eigenen Abläufe und Herausforderungen in den Blick zu nehmen und anschließend zu prüfen, welche digitale Unterstützung wirklich hilfreich wäre.