Aktuelle Informationen
Generationen verbinden und Zusammenhalt stärken: „Nachlese“ zur Kurzfortbildung für Ortsbürgermeister:innen
In der zweistündigen Kurzfortbildung am 26. August 2026 ging es um das Miteinander der Generationen und wie das Verbinden der verschiedenen Generationen vor Ort umgesetzt werden kann. Mehr als 25 Bürgermeister:innen, Beigeordnete, Gemeinderatsmitglieder und Seniorenbeauftragte nahmen an der Onlineveranstaltung teil.
„Das Thema hat an Bedeutung gewonnen, denn es gibt immer weniger junge Menschen, während der Anteil der Menschen über 65 Jahre wächst. Erschwerend kommen zur niedrigen Geburtenrate die sogenannten „Abwanderungen“ hinzu, also wenn junge Menschen durch Ausbildung, Studium oder Beruf die Ortsgemeinden verlassen“, erläuterte Annette Scholl, Projektleiterin der Landesinitiative Neue Nachbarschaften, in ihrem Impulsreferat. Dadurch gebe es weniger selbstverständliche Kontakte zwischen den Generationen – wie in Familien, Vereinen oder im Alltag. So brauche es heute mehr bewusst geschaffene Räume und Anlässe für Begegnung, gemeinsames Erleben und Unterstützen. „Nachbarschaftliche Netzwerke können diese Räume und Anlässe schaffen“, betonte Scholl. „Das Miteinander der Generationen lässt sich dabei auf unterschiedliche Art und Weise ermöglichen und initiieren“, so Scholl weiter. Dabei sei es wesentlich, dass sowohl Ältere als auch Jüngere Gebende und Nehmende sind.
Fünf Möglichkeiten, um das Miteinander der Generationen zu fördern
Im Groben lassen sich fünf verschiedene Formen des Miteinanders definieren, die sich nach Dauer des Kontaktes und Intensität des Miteinanders unterscheiden, und die Scholl den Teilnehmenden aus den Kommunen vorstellte:
- Miteinander – Begegnung schaffen: Hier geht es darum, gemeinsame Anlässe für Begegnung zu schaffen und Zeit miteinander zu erleben. Dies kann ein gemeinsamer Spielenachmittag wie ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Turnier oder ein „Zocker-Event“ sein, wo Computerspiele ausprobiert werden können. Klassisch ist auch eine generationenübergreifende Kochaktion möglich, bei der „typische Gerichte von früher“ gemeinsam gekocht werden oder Jüngere ihre veganen Lieblingsgerichte älteren Menschen zeigen. Ein Generationentreff kann ein Ort sein, wo regelmäßig generationenübergreifende Aktivitäten stattfinden.
- Voneinander – Wissen austauschen: Bei dieser Form der Begegnung steht der Wissenstransfer im Mittelpunkt. Hier können Themen wie alte Handwerkskunst, Ortsgeschichte, Dialekte, Internet, Social Media, Handy usw. aufgegriffen werden. Bei dieser Form der Begegnung steht das Voneinander- Lernen im Mittelpunkt. Dies können einmalige Aktionen oder aber eine Veranstaltungsreihe im Bürgertreff usw. sein.
- Miteinander wachsen – längerfristige Beziehungen: Hier ist wichtig, dass sich verschiedene Generationen häufiger begegnen und einen längerfristigen Kontakt miteinander haben. Dies ist beispielsweise mit Lesepat:innen, Leihomas/-opas oder Ausbildungspat:innen möglich. Alternativ ließe sich dies auch durch ein Mehrgenerationenwohnprojekt ermöglichen.
- Füreinander – sich unterstützen: Unterstützung und Hilfe stehen hier im Mittelpunkt – entweder Jung für Alt, Alt für Jung oder gegenseitiges Unterstützen. Eine Taschengeldbörse, Einkaufshilfen oder Fahrdienste stellen Möglichkeiten dar, um über das Austauschen von Hilfe das Miteinander zu fördern.
- Gemeinsam – etwas zusammen schaffen: Diese Form des Miteinanders ist meistens die Form des Miteinanders, die am schwierigsten vor Ort zu realisieren ist. Wichtig ist hier, dass verschiedene Generationen ein gemeinsames Ziel haben, was vor Ort realisiert werden soll, wie z.B. ein Dorftreffpunkt, ein Gemeinschaftsgarten oder ein Mehrgenerationenspielplatz. Alternativ sind aber auch einmalige Aktionen wie ein „Umwelttag“ oder auch ein zeitlich befristetes Klimaprojekt möglich, aus dem ggf. weitere Ideen entstehen.
Gefragt: Geduld, Ausdauer und Kooperationspartner
„Das Stärken des Miteinanders der Generationen braucht Geduld und Ausdauer, denn Generationen-Projekte sind keine Selbstläufer. Sie erfordern in der Regel gute Begleitung und Pflege“, erläuterte Scholl. Hilfreich sei dabei, möglichst mit einer kleinen Idee zu starten und dann das Projekt auszubauen oder zu erweitern. So könnten sich leichter und schneller Erfolgserlebnisse zeigen und dies motiviere häufig zum Weitermachen. „Diese praktischen Anregungen stammen von Nachbarschaftsinitiativen aus Rheinland-Pfalz, die generationsübergreifend arbeiten“, betonte Scholl.
Darüber hinaus sind laut Scholl bei generationsübergreifenden Projekten Unterstützer:innen und Kooperationspartner:innen, wie zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Hauptamtliche Mitarbeitende in der Engagementförderung, Jugend- und Seniorenarbeit wichtige Akteure. Sie helfen leichter Kontakt zu den gewünschten Personengruppen aufzubauen und zu ermöglichen.
„Zu Beginn sollte sich genau überlegt werden, welche Generationen mehr in Kontakt miteinander gebracht werden sollen“, unterstrich Scholl: „Sind es Hochbetagte und Kinder, Babyboomer und Jugendliche oder sollen es Familien und ältere Menschen sein?“ Ein Eingrenzen der Zielgruppen erleichtere den Aufbau und das Erreichen dieser Personengruppen über geeignete Kommunikationskanäle. Gleichzeitig sollten Ortsbürgermeister:innen Akteure vor Ort ansprechen, denen der Zusammenhalt der Generationen noch wichtig ist, wie beispielsweise den Sportvereinen oder Feuerwehren.
Erfahrungen und Praxistipps der Teilnehmenden
In zwei Austauschrunden in Breakout-Räumen hatten die 25 teilnehmenden Ortsbürgermeister:innen, Beigeordneten und Seniorenbeauftragten dann die Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen, das Miteinander der Generationen zu stärken, auszutauschen.
Einige von Ihnen berichteten, dass sich das Zusammenbringen der Generationen häufig schwierig gestaltet und Angebote oft nicht genutzt werden. In der Regel liefen Feste wie Kirmes oder Weinfeste gut und böten gute Gelegenheiten, dass sich die verschiedenen Generationen treffen.
Um das Miteinander der Generationen zu stärken, ist es nach Ansicht des Ortsbürgermeisters Hans-Dieter Geiger aus Windhagen sehr wichtig, offen zu sein und immer wieder Neues auszuprobieren. Wichtig sei,die Ressourcen der jeweiligen Generation in den Vordergrund zu stellen und nicht das „Gleichmachen der Generationen“. Außerdem sei es wichtig, Kindern und Jugendlichen die Bedeutung des Engagierens und des gemeinsamen Gestaltens des Dorflebens näher zu bringen. Er habe beispielsweise eine Jugendvertretung ins Leben gerufen, bei der mehr als 20 Jugendliche mitmachen und sich aktiv vor Ort einbringen. Ortsbürgermeister Andreas Weber konnte dies bestätigen und berichtete von seinen Erfahrungen eines Kindergemeinderats in Schwegenheim. Für einen begrenzten Zeitraum lernten die Kinder im Grundschulalter den Gemeinderat und seine Arbeit näher kennen und konnten es ausprobieren. Dies habe allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht.
In der Diskussion wurde deutlich, dass es neben Aktionen und Programmen für verschiedene Altersgruppen auch Mehrgenerationen-Treffpunkte geben sollte, beispielsweise ein Mehrgenerationenplatz oder eine Boulebahn, die neben einem Spielplatz liegt. So könnten über das Spielen die verschiedenen Altersgruppen leichter zusammenkommen. Einen Treffpunkt für verschiedene Generationen ist das "Café Allee“ in Oberbillig. Die Beigeordnete Stefanie Hermesdorf berichtete, dass das generationsübergreifende Café inzwischen vier Mal im Jahr stattfindet und von freiwilligen Helfer: innen und ihr vorbereitet und organisiert wird. Frei nach dem Motto „Von allen für alle!“.
Werner Nachtsheim von der Ortsgemeinde Waldorf betonte zum Abschluss, dass es aufgrund der demografischen Veränderungen wichtig sei, Brücken zwischen den Generationen zu schlagen. Eine gute Kommunikation untereinander sei für ihn dabei von zentraler Bedeutung. Der niedrigschwellige WhatsApp-Kanal habe in seiner Ortsgemeinde geholfen, Informationen leichter weiterzugeben. Denn gerade die örtliche Presse informiere nicht über alle Aktivitäten vor Ort.
Zum Bildungshappen: Es handelt sich um eine Kurzfortbildungsreihe im Schwerpunkt „Bürgermeister:innen aktiv der Landesinitiative Neue Nachbarschaften RLP“. Im Rahmen von zweistündigen digitalen Einheiten gibt es kompaktes Wissen, Anregungen, um Gemeinschaften und nachbarschaftliche Netzwerke aufzubauen. Im Mittelpunkt dieser Netzwerke stehen die Förderung von Begegnung, Miteinander und gegenseitigem Unterstützen. Darüber hinaus ist der Austausch unter den Ortsbürgermeister:innen von zentraler Bedeutung im Bildungshappen, um Erfahrungen, gute Ideen und Herausforderungen miteinander zu teilen.